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Was mögen Sie an Ihrer Arbeit?

Die Vielfältigkeit von Museumsarbeit und besonders auch die damit verbundene Detektivarbeit. Das macht Spaß, und man kann mit etwas kriminalistischem Scharfsinn einiges entdecken.

Ratz Victory

 

Wie spannend die Museums-Arbeit sein kann, erzählt Herr Renda anhand einer Geschichte, die er beim Recherchieren erlebt hat:


 

Detektiv-Arbeit für das Museum:

Als das Museum noch nicht eröffnet war, habe ich mich mit dem Thema "Juden in Bielefeld" beschäftigt, um eine Dauerausstellung zu planen. Da gab es nicht viele Ausstellungsstücke. Eine ganz wichtige Geschichte war das Schicksal der Firma Moosberg. Diese Firma war im nordwestdeutschen Raum der größte Hersteller von Berufskleidung und fertigte die Kluften für Handwerker. Ein Ausstellungsstück steht auch im Museum.

Wir hatten zwar so eine Kluft, brauchten aber für die Ausstellung auch ein Foto von dem damaligen Firmeninhaber, eines Herrn Max Moosberger, um die Geschichte dieser jüdischen Familie darzustellen.
Ich habe mich also bei allen Geschäften, die Berufskleidung führten, erkundigt. Die konnten sich aber nicht an diese Firma zurückerinnern. Fehlanzeige!
Bei einer Firma erinnerte man sich dann zumindest an einen ehemaligen Mitarbeiter, der eine Zeit lang als Reisender unterwegs war und daher überall herumkam. Mit diesem Mann habe ich Kontakt aufgenommen und ihm mein Anliegen geschildert. Nach langen Überlegungen erinnerte er sich, dass er vor vielen Jahren einmal bei einem Handwerksmeister ein großes Foto gesehen habe. Da waren lauter Handwerksburschen drauf, und mitten drin stand der Max Moosberger! An den Ort, wo er das Foto sah, konnte er sich leider nicht erinnern, nur an das Haus, in dem er das Foto gesehen hatte. "Schade", dachte ich.

Max Moosberger ist rot umkringeltDoch dann bekam ich Wochen später einen Anruf von dem Mann. Er erzählte mir, dass ihm diese Geschichte ständig durch den Kopf gegangen sei. Nunmehr glaube er, die besagte Gegend, wo er dieses Foto sah, wieder finden zu können. Wir verabredeten uns und sind gemeinsam im Auto losgefahren - Richtung Enger, einfach drauf los, über die Dörfer und Felder. Ab und zu hielten wir an Kreuzungen an und er überlegte: "Geht es jetzt nach links oder nach rechts?"
Am Ende haben wir wirklich dieses Haus gefunden! Wir haben geklingelt und im Wohnzimmer des Hauses hing doch tatsächlich dieses Foto! Endlich! Geschafft!

Der Hausbesitzer war ein ehemaliger Handwerksmeister, der von unserer Geschichte so gerührt war, dass er uns das Bild schenkte. Wir haben es vergrößert und in die Dauerausstellung ins Museum gebracht. Dort kannst Du es anschauen.

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