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Welches ist Ihr Lieblingsinsekt?

Die meisten Leute finden die großen bunten Falter schön. Aber für uns Entomologen sind die kleinen oder eher unscheinbaren Tiere viel beachtenswerter, z. B. weil sie ganz besondere Lebensweisen haben.
Eines meiner Lieblingsinsekten ist der Eulenfalter Chorizagrotis lidiae, auf den ersten Blick ein mit langweiligen Brauntönen gefärbter mittelgroßer Falter. Diese Art gilt bei uns als ausgestorben. Wir haben den Eulenfalter in der Sammlung nur ein einziges Mal.

FalterDas Sammlerstück stammt aus den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts aus der Bielefelder Senne, das letzte Tier in ganz Nordrhein-Westfalen!

Mit meinen Kollegen bin ich dort schon lange auf der Suche nach diesem Falter, weil die Lebensbedingungen für ihn in der Senne gut wären. Wir hoffen, ihn an bisher nicht untersuchten Orten doch noch nachweisen zu können.


Wo überall leben Insekten?

Insekten sind so artenreich, weil sie - außer dem Meer - fast ALLE Lebensräume und Nischen besetzen können! Das ist schon erstaunlich. Ein Prachtkäfer in der Senne zum Beispiel legt seine Eier in noch glimmendes Holz nach Waldbränden! Der Käfer kann auf 20 km spüren, wo es brennt.
Andere Insekten leben in und auf Leichen. Sogar in der Kriminalistik können Insekten helfen. Beispielsweise wurde einmal ein Verbrechen aufgeklärt, weil der Täter eine bestimmte Ameisenart unter dem Schuh hatte, die nur in einem ganz bestimmten Gebiet vorkam.
Die kleine Dörrobstmotte kommt schon mal in Bio-Cornflakes vor. Da sollte man sich aber nicht sorgen.


Biene

Wozu sind Insekten nützlich?

Insekten sind sehr wichtig für die Natur! Schmetterlinge und Wildbienen zum Beispiel sind wegen der Bestäubung der Pflanzen unersetzlich für den Naturhaushalt. Insekten haben daher auch eine immense wirtschaftliche Bedeutung. Ohne diese Leistungen gäbe es bald die meisten Pflanzen nicht mehr.
Zudem können wir durch die Bestimmung von Flora und Fauna Aussagen machen, wie es um die Umwelt bestellt ist. Manche Arten kommen nur da vor, wo Luft-, Wasser- und Bodenqualität sehr gut sind. Auch das Ausmaß der Klimaänderungen können wir anhand des Vorkommens verschiedener Arten nachvollziehen.


Der Landkärtchenfalter war übrigens Schmetterling des Jahres 2007. Die Zeichnung seiner Flügelunterseiten ähnelt einer Landkarte, daher der Name.


Ein Beispiel

Wir haben zu viel Stickstoff im Boden. Dadurch wachsen auf vielen Flächen Brennesseln. Das ist ein Indikator (= Anzeiger, Zeichen) für die Überdüngung. Deshalb sehen wir überall bestimmte Falterarten: den "Kleinen Fuchs" oder den "Landkärtchenfalter".

ratz_miniMagerkeitsanzeiger wie der "Gemeine Bläuling" dagegen werden immer weniger! Bläulinge lieben magere Böden mit bestimmten Futterpflanzen. Somit zeigen uns die Insekten bzw. ihr Vorkommen auch etwas über Umweltprobleme!