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Bielefeld im Mittelalter

Stell dir Bielefeld im Mittelalter vor, das war vor ungefähr 700 bis 900 Jahren!

Damals lebten in Bielefeld etwa 3.500 Menschen in 700 Häusern. Viel weniger als heute, denn mittlerweile sind es 320.000, etwa 90 mal mehr als damals!

Die Stadt war zunächst von einem Zaun, dann von einer Mauer umgeben. Es gab Stadttore, die regelten, wer in der Stadt ein- und ausgehen durfte. Um die Mauer herum gab es einen Stadtgraben mit Wasser aus zwei Bächen, dem Bohnenbach und dem Vossbach. Da das Wasser nicht ausreichte, leitete man 1452 die Lutter bis nach Bielefeld um. So kommt es, dass Bielefeld bis heute an der Lutter liegt.

Der Rat im Mittelalter

Damals waren Alt- und Neustadt getrennte Gebiete, so gab es auch zwei Bürgermeister und zwei Räte. Der Rat der Altstadt bestand bis zum Jahre 1719 aus 13 Personen. Der Rat der Neustadt hatte zwischen 7 und 11 Mitgliedern. Die Ratsherren waren ehrenamtlich tätige Bürger. Das heißt, sie wurden für ihre Arbeit nicht bezahlt.

Im Jahre 1520 schließlich wurden Alt- und Neustadt zu einer Stadt vereint. Im Rat der Stadt saßen damals nur adelige und reiche Bürger, die Ratsherren.

Wahlen durch die Ratsmitglieder selbst

Auch gewählt wurde damals anders als heute. Nicht die Bürger und Bürgerinnen, sondern die Ratsherren selbst wählten neue Mitglieder hinzu! Gewählt wurde am ersten Werktag nach Neujahr. Am Dreikönigstag wurde dann schließlich der Bürgermeister gewählt.

Streng geheim war damals jede Ratssitzung. Heute tagt der Rat für alle öffentlich. Auch hatte der Rat früher viel mehr Funktionen und Macht, er war Verwaltung und Gericht zusammen.

Bekanntmachungen auf dem Marktplatz

Und so wurde das öffentliche Leben durch den Rat "geregelt": In so genannten "Bürgersprachen" teilte der Rat neue Verordnungen mit. Die Bürger und Bürgerinnen versammelten sich dazu auf dem Markt. Dort wurde ihnen mündlich mitgeteilt, welche Verordnungen sie zu beachten hätten. Da ging es z.B. um die Höhe der Steuern oder um die Reinhaltung von Straßen und Plätzen.
Ratz
Stell dir vor, der Stadtrat bestimmte auch über das ganz private Leben der Menschen. Über Kleiderordnungen wurde z.B. festgelegt, wer gemäß seinem Stande was zu tragen hatte. Oder man legte fest, wie viele Gäste zu Hochzeiten eingeladen werden durften. Heute undenkbar, oder?

Der Rat führte außerdem die Verhandlungen mit dem Landesherren, man schloss Bündnisse mit anderen Städten.

Der Rat war auch gleichzeitig (die) Verwaltung: Stadtdiener stellten z.B. eine Art "Marktpolizei" und es wurde dafür gesorgt, dass alle Steuern eingetrieben wurden. Das so eingenommene Geld wurde dann auf bestimmte Zwecke verteilt. Chef der Finanzen waren die Kämmerer, auch sie waren damals Mitglieder des Rates. Dieses Amt gibt in Bielefeld seit 1489 und auch heute noch!

Die Ratsherren waren außerdem für die Rechtssprechung zuständig. Das Ratsgericht urteilte bei Verbrechen und Übertretungen der Verordnungen.

Der Rat im Mittelalter hatte also drei Aufgabenbereiche: Politisches Organ, Verwaltung, Rechtsprechung