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Die Sammlung Junkermann

Was hat es mit den schwarzen Kartons auf sich?

Gestapelte KartonsDas sind Kästen aus der Sammlung Junkermann. Siegfried Junkermann war ein fleißiger Hobby-Sammler in den 20er und 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Die Sammlung Junkermann ist eine von der Fachwissenschaft anerkannte Sammlung. Junkermann war Jude. 1938, als das Leben für die Juden in Deutschland schwierig wurde, hat man ihm die Sammlung weggenommen.

Der damalige Museumsleiter des alten städtischen Museums Bielefeld, Herr Schonewieg, war Mitglied in der NSDAP. Er kaufte ihm die Sammlung weit unter Wert ab, so wie es im Dritten Reich oft mit Besitztümern von Juden passierte. Junkermann ging nach England.

Schwarzer Karton

 

Das ist für mich eine bedrückende Geschichte. Ich habe nachgeforscht, ob Herr Junkermann Nachfahren hat. Es gab ein Wiedergutmachungsverfahren nach dem Krieg und er bekam eine materielle Entschädigung für das Unrecht von damals.
Ich fahnde schon sehr lange nach den Schriftstücken Junkermanns, nach Fundortnotizen, die besonders wichtig sind. Aber Akten gibt es meterweise im Stadtarchiv und man weiß nicht einmal, ob darin überhaupt etwas zu finden ist. Da braucht man viel Zeit und Geduld.

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Herr Zutz sammelt sehr gern

Sie kennen sich wirklich gut aus, wie ein leidenschaftlicher Sammler!

Ich habe auch selbst eine Sammlung zuhause. Ich sammle seit 25 Jahren Steinzeitgeräte in der Umgebung von Bielefeld. Und auch meine Sammlung werde ich später mal den Archäologen vererben.
In meiner Freizeit gehe ich auf Äcker und sammle. Man findet noch immer Schaber, Klingen oder Pfeilspitzen, die Menschen damals hergestellt haben. Ich habe mittlerweile Tausende.
Wenn ich ein bedeutendes Stück finde, trage ich es genau in eine Fundkarte ein und versehe es mit einer Nummer. Finde ich "Abfallmaterial" wie Steinsplitter, schraffiere ich die Stelle in der Karte. Nach Jahren verdichten sich die Markierungen auf der Karte und ich kann sehen, wo die Menschen früher einen Wohn- oder Arbeitsplatz hatten.

Herr Zutz in der Bibliothek

Und welche Arbeit verrichten Sie in der namu-Bibliothek?

In der Bibliothek sorge ich für Ordnung. Ich habe die Bereiche alle nach Fachgebieten sortiert.

Die Bibliothek ist die Grundlage für die wissenschaftliche Arbeit im Museum. Hier stehen viele Bücher über die Gesteine in unserer Umgebung, über Natur und Umwelt. Es gibt aber auch viele Landkarten, in denen man jeden Steinbruch findet, den es hier einmal gegeben hat.

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Was mögen Sie an Ihrer Arbeit?

Es ist ein Glücksgefühl, eine Kiste aufzumachen und ein Steinzeitmesserchen heraus zu nehmen, das vor 10.000 Jahren von einem Menschen hergestellt wurde. Und es ist immer noch so scharf, dass ich mich damit rasieren könnte.
Unglaublich, oder?

Herr Zutz mit einem Karton

Dürfen Kinder Sie als Experte ansprechen?

Ja, wenn Ihr mal etwas wissen möchtet über Steine jeder Art, über Steinzeitwerkzeuge oder archäologische Objekte, dann seid Ihr bei mir an der richtigen Adresse.
Ich habe eine Arbeitsgemeinschaft Archäologie gegründet, die sich zur Zeit mit der Bielefelder Sparrenburg beschäftigt. Wir haben auch schon zwei mittelalterliche Kirchenruinen ausgegraben - natürlich in enger Zusammenarbeit mit den Archäologen.

Was möchten Sie den Kinderrathaus-Besuchern noch mit auf den Weg geben?

Ihr solltet ganz viele Museen nutzen. Das bringt jedem was. Ob es sich um Kunsthalle, Historisches Museum oder Naturkunde-Museum handelt, das ist egal. Museen lohnen sich!


Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Einen zweiten Lebensabend! ;-) Weil ich mit einem nicht auskomme.
Mir fehlt zum Beispiel die Zeit, die erwähnten Akten im Stadtarchiv zu sichten.

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Danke für das Interview!

Ende


 

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